Implizite Begierdetaufe.
Erzbischof Marcel Lefebvre:
Die Begierdetaufe kann explizit [ausdrücklich ausgesprochen] sein. Oft hat in Afrika ein Katechumene zu uns gesagt: „Pater, taufen Sie mich jetzt gleich, denn wenn ich vor Ihrem nächsten Besuch sterbe, komme ich in die Hölle.“ Wir haben ihm geantwortet: „Nein, wenn Du keine schwere Sünde auf dem Gewissen hast und wenn Du den Wunsch hast, getauft zu werden, hast Du schon die Gnade in Dir“.
So lautet die Lehre der Kirche, die auch die implizite [stillschweigende] Begierdetaufe anerkennt. Sie beruht auf dem Entschluss, den Willen Gottes erfüllen zu wollen. Gott kennt alle Seelen und weiß daher, dass es bei den Protestanten, den Moslems, den Buddhisten und in der ganzen Menschheit Seelen gibt, die guten Willens sind. Sie empfangen die Taufgnade, ohne es zu wissen, aber auf wirksame Weise. Dadurch vereinigen sie sich mit der Kirche.
Der Irrtum besteht in dem Glauben, dass sie sich durch ihre Religion retten. Sie retten sich in ihrer Religion, aber nicht durch ihre Religion. Man rettet sich nicht durch den Islam oder durch den Shintoismus. Es gibt im Himmel keine buddhistische Kirche; auch keine protestantische Kirche. Das mag, wenn man es hört, hart erscheinen, aber es ist die Wahrheit. Nicht ich habe die Kirche gegründet, Unser Herr hat sie gegründet, der Sohn Gottes, und wir Priester sind verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.
Aber wie groß sind die Schwierigkeiten, die die Menschen der nicht vom Christentum durchdrungenen Länder überwinden müssen, um die Gnade der Begierdetaufe zu erlangen! Der Irrtum ist eine Abschirmung gegen den Heiligen Geist. Das ist der Grund, warum die Kirche immer in alle Länder der Erde Missionäre gesandt hat und dass so viele von ihnen dort das Martyrium erlitten haben. Wenn man das Heil in jeder beliebigen Religion erlangen könnte, wozu sollte man dann die Meere überqueren und sich unter gesundheitsschädigenden Klimaten einem harten Leben, Krankheit und frühem Tod aussetzen? Schon gleich nach dem Martyrium des hl. Stephanus, der als erster sein Leben für Christus hingegeben hat und der deshalb am 26. Dezember, dem Tag nach dem Christtag, gefeiert wird, haben sich die Apostel eingeschifft, um die frohe Botschaft im Mittelmeerraum zu verbreiten. Hätten sie das getan, wenn man sich ebensogut durch den Kult der Kybele oder die Mysterien von Eleusis hätte retten können? Warum hätte ihnen dann Unser Herr gesagt: „Geht hin und lehret alle Völker“ (Mtth. 28,19)?

Quelle: Erzbischof Marcel Lefebvre –Offener Brief an die ratlosen Katholiken – 1986 Mediatrix-Verlag Wien, Seite 109ff.

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